23. Mai 2026 | Uber Arena, Berlin

Am Samstagabend wandelte sich die Uber Arena in Berlin erneut in einen Ort, an welchem sich tausende ONCEs treffen konnten. TWICE brachten ihre „THIS IS FOR“ World Tour in die deutsche Hauptstadt und zeigten dabei eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zu den größten Girlgroups der Welt gehören.
Seit ihrem Debut 2015 unter JYP Entertainment hat sich viel verändert, doch die Verbindung zwischen TWICE und ihrem europäischen Publikum scheint mit jeder Tour stärker zu werden. Denn Berlin selbst ist für die Gruppe längst kein unbekannter Ort mehr, bereits 2023 standen sie hier gleich für zwei Konzerte auf der Bühne. Dieses Jahr fiel die Entscheidung auf nur einen Abend in der Hauptstadt, dafür erweitert um ein zusätzliches Konzert in Köln. Zum ersten Mal überhaupt spielt TWICE damit in zwei verschiedenen Städten desselben europäischen Landes. Ein kleines, aber bedeutendes Zeichen dafür, wie stark ihre Präsenz in Europa inzwischen geworden ist.
Rund um die Arena begann der Konzerttag allerdings schon viele Stunden früher. Bereits ab 10 Uhr sammelten sich Fans am Uber Platz, tauschten Freebies aus, veranstalteten Random Dance Challenges und stöberten durch den Merchandise-Stand, welcher ab 11 Uhr geöffnet hatte. Gleichzeitig setzte Veranstalter LIVENATION auf ein Random-Numbering-System, das in letzter Zeit häufiger genutzt wird, um frühes Campen und größere Menschenansammlungen vor der Venue zu verhindern. Ob das bei diesem Konzert tatsächlich notwendig gewesen wäre, bleibt fraglich: durch die enorme Größe der Bühne und die clevere Aufteilung des Innenraums wirkte der Stehbereich überraschend entspannt, mit guter Sicht aus nahezu jeder Perspektive.

Der Grund dafür wurde schnell klar. TWICE brachten eine aufwendige 360-Grad-Bühne nach Berlin, etwas, das man bei K-Pop-Konzerten in der Stadt noch vergleichsweise selten sieht. Die Konstruktion zog sich weit durch die Arena und bestand aus drei separaten Bühnenabschnitten. Die mittlere Hauptbühne konnte zusätzlich in einzelnen Teilen angehoben werden, wodurch manche Songs fast wie Performances direkt aus einem Stadion wirkten. Über ihr hing ein riesiger, beweglicher 360-Grad-Bildschirm, der sich immer wieder absenkte und dadurch beeindruckende Bühnenbilder schuf. Auch die Choreografien wurden sichtbar an das Konzept angepasst, sodass die Gruppe alle Seiten der Arena einbezog.
Nicht ganz ohne Einschränkungen verlief der Abend allerdings für Dahyun. Aufgrund einer Verletzung musste sie während den Choreografien sitzen bleiben. Trotzdem blieb sie durchgehend präsent, interagierte viel mit den Fans und ließ sich nichts anderes als gute Laune anmerken.

Musikalisch setzte die Show vor allem auf Songs des aktuellen Albums „THIS IS FOR“, welches gleichzeitig Namensgeber der Tour ist. Die Setlist wechselte zwischen energiegeladenen Dance-Songs und ruhigeren Momenten, die die Arena plötzlich deutlich emotionaler wirken ließen. Natürlich durften dabei auch mehrere Outfitwechsel nicht fehlen, die den einzelnen Abschnitten immer wieder neue visuelle Identitäten gaben.
Besonders spannend waren die Solo-Stages der einzelnen Mitglieder. Jedes Mitglied bekam seinen eigenen Moment im Rampenlicht und konnte individuelle Stärken präsentieren, von kraftvollen Dance-Performances bis hin zu emotionaleren Gesangsmomenten. Diese Abschnitte gaben dem Konzert zwischendurch eine persönlichere Note und sorgten dafür, dass trotz der Größe der Produktion jede einzelne Persönlichkeit innerhalb der Gruppe sichtbar blieb.
Zusätzliche Dynamik brachte die Live-Band mit, die TWICE auf dieser Tour begleitet. Nicht nur die Songs selbst gewannen dadurch deutlich mehr Energie, auch die Musiker bekamen einen eigenen Performance-Moment zwischen den Stages. Gerade bei den rockigeren Arrangements verlieh die Band dem Abend eine zusätzliche Ebene, die viele K-Pop-Konzerte live oft vermissen lassen.

Und natürlich gab es auch die typisch chaotischen TWICE-Momente, die vermutlich noch lange als Running Gag unter Fans bleiben werden. Besonders laut wurde gelacht, als Momo versuchte, Jihyo heimlich mit dem Knie einen kleinen scherzhaften Kick zu verpassen. Der Plan scheiterte allerdings spektakulär daran, dass sie danach möglichst unauffällig flüchten wollte und dabei direkt in Jeongyeon hineinlief. Während die anderen Mitglieder schon kaum ernst bleiben konnten, verlor Nayeon endgültig die Fassung und landete vor lauter Lachen auf dem Boden. Es war einer dieser völlig ungeplanten Momente, die ein Konzert oft menschlicher machen als jede perfekt einstudierte Stage.
Die Stimmung in der Arena blieb während des gesamten Abends konstant laut. Party-Songs wurden gefeiert, gleichzeitig schaffte das Publikum es aber auch, in ruhigeren Songs aufmerksam und fast ehrfürchtig mitzuschwingen. Gerade diese Balance machte den Abend besonders angenehm: ausgelassen, aber nie chaotisch.
Emotional wurde es schließlich während der Encore-Stage. Dort überraschten Fans die Gruppe mit einem Videoprojekt, in dem sich zahlreiche ONCEs persönlich bei TWICE bedankten. Nach einem ohnehin sehr euphorischen Konzert bekam der Abend dadurch plötzlich eine ruhigere, fast sentimentale Atmosphäre. Für einen kurzen Moment wirkte die riesige Arena deutlich kleiner.

Als schließlich die letzten Songs endeten und die Mitglieder sich verabschiedeten, blieb vor allem ein Eindruck zurück: TWICE funktionieren längst nicht mehr nur als globale K-Pop-Gruppe, sondern als Act, der auch in Europa eine bemerkenswert enge Verbindung zum Publikum aufgebaut hat. Die Produktion war gigantisch, die Stimmung durchgehend euphorisch und trotz der Größe verlor sich der Abend nie in der Distanz.
Wenn dieses Konzert in der Uber Arena eines gezeigt hat, dann das: TWICE schaffen es selbst nach über zehn Jahren Karriere noch, ihre Shows frisch, lebendig und persönlich wirken zu lassen. Für Berlin war es ein Abend voller Energie, Chaos, Emotionen und sehr vieler glücklicher Gesichter. Hoffentlich wird dieser nicht der letzte seiner Art bleiben!
