SION „eigensinn“ Europe Tour 2025 in Berlin

09. Dezember 2025 | Kantine am Berghain

SION während „celeste“

Am Dienstagabend verwandelte SION die Kantine am Berghain in einen vibrierenden, warmherzigen und überraschend wilden Kosmos. Der deutsch-koreanische Künstler, der in Bielefeld aufgewachsen ist, 2020 bei The Voice erstmals größere Aufmerksamkeit erhielt und anschließend seine musikalische Reise in Korea fortsetzte, präsentierte in Berlin nicht nur sein neues Album „eigensinn“, sondern auch einen deutlichen Neustart seiner künstlerischen Identität.

Obwohl SION fließend Deutsch spricht, fragte er zu Beginn charmant ins Publikum, ob überhaupt alle Deutsch können. Als sich ein paar Hände hoben, wechselte er kurzerhand komplett ins Englische. Ein höflicher, integrativer Move, der sofort Sympathien gewann und den Abend auf eine angenehm internationale Atmosphäre einschwor.

Schon vor dem Konzert sprach SION offen darüber, dass er mit seinem bisherigen Weg in der koreanischen Musikszene zunehmend unzufrieden war: zu viele OSTs, zu wenig Raum für seine eigenen Visionen. „eigensinn“ ist daher nicht nur ein Albumtitel, sondern ein Manifest; ein Neustart, ein bewusstes Abzweigen.

SION während „holdon“

Das Set war mehr oder weniger chronologisch aufgebaut, was überraschend gut funktionierte.
Er startete das Konzert mit Liedern des neuen Albums „eigensinn“, gefolgt von Liedern seiner vorherigen EP sociavoidance, bevor er in die „love“ EP eintauchte. Doch statt diese klassisch wie auf Platte widerzugeben gab er manchen Songs eine clubtaugliche, neu arrangierte Remix-Version – unter anderem cutlery collector – die der kleinen Halle eine ganz andere Temperatur verpassten.

Die Kantine am Berghain ist nicht groß, doch genau das nutzte SION zu seinem Vorteil. Die Stimmung war überraschend energetisch und hemmungslos:
Er kam mehrmals ins Publikum hinunter, löste Moshpits aus, animierte, tanzte, lachte und schuf eine Atmosphäre, die weniger an ein klassisches Vorsingen erinnerte und mehr an eine euphorische Hausparty. Trotz all der Energie blieb der Abend aber vertraut und gemütlich, was nicht zuletzt an seiner, zwar schüchternen, aber dennoch direkten, offenen Art lag.

Die Zeit flog vorbei: ein gängiges Problem für Konzertgänger. Plötzlich merkt man, dass schon anderthalb Stunden vergangen sind, obwohl es sich wie 30 Minuten anfühlt.

Zum Abschluss kündigte SION in einem humorvollen Denglisch an: “You’re just gonna ask for Zugabe anyway, so I’m just gonna play two more songs.”
Gespielt hat er dann natürlich drei, alle aus „eigensinn“, alle kraftvoll, alle ein Statement.

SION während „holdon“

Ein vielschichtiger, emotionaler, energiereicher Abend, der zeigte, dass SIONs „Neuanfang“ keine bloße PR-Behauptung ist, sondern eine künstlerische Haltung. Ein Konzert wie ein Versprechen: Von hier aus geht es aus eigener Kraft, in eigenem Sound, mit echtem eigensinn weiter.

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