09. April 2026 | Columbia Theater, Berlin

Am Donnerstagabend wurde Berlin zum Treffpunkt für eine der eindrucksvollsten Stimmen der koreanischen Musikszene. Gaho kehrte nach rund sieben Jahren zurück in die Hauptstadt. Zuletzt stand er 2019 ebenfalls im Columbia Theater auf der Bühne, damals noch in Zusammenarbeit mit Planetarium Records. Dieses Mal allerdings an seiner Seite: KAVE, die Band, mit der er seit ihrem Debüt 2024 ein neues musikalisches Kapitel aufschlägt.
KAVE, bestehend aus fünf Mitgliedern und mit dem selbstbewussten Namen „Kings Always Have Veiled Egos“, brachte von Beginn an eine spürbar andere Energie in den Abend. Ihr rockiger Ansatz verschmolz überraschend nahtlos mit Gaho’s Stimme, die viele durch seine zahlreichen OSTs kennen, etwa aus Itaewon Class, Start-Up oder King the Land. Die oft als „most captivating voice of the Korean music scene“ beschriebene Stimme Gaho’s gewinnt durch die Band noch einmal an Tiefe und Betonung.
Schon früh wurde klar, dass dieser Abend nicht auf eine einzige Richtung festgelegt sein würde. Die Setlist bewegte sich mühelos zwischen Gaho’s Solo-Songs, KAVE-Tracks und rockigen Neuinterpretationen bekannter Stücke, wie zum Beispiel einem Cover, welches die Band bereits veröffentlicht hat, eine überraschend stimmige Rockversion von Blackpink’s How you like that. Gerade diese Mischung hielt die Dynamik konstant hoch. Balladen folgten auf energiegeladene Rocknummern, ruhige Momente wurden von kraftvollen Refrains abgelöst. Es entstand ein Wechselspiel, das den Abend durchgehend frisch hielt.

Ein visuelles Highlight entstand bei der Performance Gaho’s neuer Single „To Mars“. Das dazugehörige Musikvideo wurde bereits im Vorfeld mit einer Art Publikum gedreht und genau dieses Element griffen sie live wieder auf. Ohne Aufforderung verwandelten die Fans die Halle mit ihren Taschenlampe in ein funkelndes Universum. Für einen Moment schien der Raum stillzustehen.
Zwischen den Songs nahm sich die Band immer wieder Zeit für persönliche Einblicke. Besonders bewegend waren die Geschichten zu ihren Debüt-Songs. Sie erzählten offen von schwierigen Zeiten, von Phasen mit wenig Geld und Unsicherheiten und davon, wie weit sie seitdem gekommen sind. Diese Ehrlichkeit verlieh dem Abend zusätzliche emotionale Momente, die über die Musik hinausging.

Dennoch blieb die Stimmung durchgehend locker. Gaho zeigte sich nahbar und humorvoll, suchte aktiv den Kontakt zum Publikum und sorgte für einige der unvergesslichsten Momente des Abends. Drei Fans wurden nacheinander auf die Bühne geholt, wo er mit ihnen Polaroid-Fotos machte und diese direkt an sie verschenkte. Zwischendurch kommentierte er die Energie im Raum mit einem breiten Grinsen: „Ihr seid richtige Rockstars.“ Kurz darauf folgte die nächste scherzhafte Frage: „Lasst ihr das sonst nicht raus? Oder warum habt ihr heute so viel Energie?“ Berlin, so stellte er fest, sei einfach immer besonders.
Diese Energie trug sich bis in die letzten Momente des Abends. Nach dem regulären Set verabschiedeten sich Gaho und KAVE zunächst, kehrten jedoch schnell für eine erste Zugabe zurück, inklusive eines fast schon familiären Moments, als sie auf der Bühne gemeinsam mit Bier anstießen.
Doch Berlin war noch nicht fertig. Der Applaus ebbte nicht ab, und so ließ sich die Band zu einer zweiten Encore überreden. Diesmal durfte das Publikum entscheiden, welchen Song es noch einmal hören wollte. Die Wahl fiel schließlich auf „Start Over“, ein passender Abschluss für einen Abend, der sich genau so anfühlte: wie ein Neustart, auf einem neuen Level, mit neuer Band und neuem Sound.

Dabei blieb vor allem ein Gedanke: Hoffentlich dauert es so keine sieben Jahre, bis Gaho nach Berlin zurückkehrt.
