01. März 2026 | Columbia Theater, Berlin

Am Sonntagabend wurde das Columbia Theater in Berlin zur Zeitmaschine. Zumindest dem Gefühl nach. JUSTB brachten ihre erste Europa-Tour seit ihrem Debüt 2021 in die Hauptstadt und katapultierten das Publikum dabei mitten hinein in eine Ära, die irgendwo zwischen 2016 und 2026 schwebte.
Berlin war der erste von zwei Deutschland-Stopps, Köln sollte am Mittwoch folgen, beide Shows: ausverkauft. Und das nicht nur hierzulande, fast alle Termine dieser ersten Europa-Tour sind restlos verkauft. Für eine Gruppe, die sich ihren Ruf vor allem durch einen ungewöhnlichen Stil erarbeitet hat, musikalisch wie visuell, ist das mehr als nur ein Achtungserfolg. JUSTB setzen nicht auf Trends. Sie recyclen, referenzieren, spielen mit Throwback-Vibes der 2010er und machen daraus ihre ganz eigene Ästhetik.
Pünktlich um 19:30 Uhr begann die Show, die bis 21:40 Uhr andauerte und somit gute zwei Stunden füllte. Der Fokus lag klar auf den neueren Songs der EP Snow Angel. Kraftvolle Performances wechselten sich mit emotionaleren Momenten ab, die Choreografien präzise, das Bühnenbild reduziert genug, um den Blick auf das Wesentliche zu lenken: die sechs Member und ihre Präsenz.

Besonders spürbar war die Bedeutung dieser Tour für die Gruppe selbst. Nachdem sich Bain in Los Angeles als Teil der LGBTQ+ Community geoutet hatte – als erstes offen queeres, aktiv in einer K-Pop-Gruppe promotendes Idol – war er bereits solo in Europa unterwegs gewesen und hatte damals auch in Hamburg Halt gemacht. Diese Solo-Reise leitete gewissermaßen das nächste Kapitel ein: Nun stand er wieder in Deutschland, diesmal mit seiner gesamten Gruppe. Ein Kreis, der sich schloss. Und ein Moment, der für viele im Publikum mehr war als nur ein Konzert.
Die Setlist bot neben Gruppentracks auch sechs Solo-Performances. Von Cover-Stages bis hin zu selbstproduzierten Songs war alles vertreten. Besonders elegant gelöst: die Übergänge. Während einzelne Member Zeit für Outfitwechsel hinter den Kulissen hatten, übernahmen Geonu und Sangwoo die Bühne und gestalteten einen fließenden Übergang zwischen den Gruppen- und Soloperformances. Kein Leerlauf, kein Bruch, stattdessen ein roter Faden, der sich durch den Abend zog.
Dafür kündigten die beiden ein geplantes TikTok zu „I Really Like You“ von Carly Rae Jepsen an, ganz im Sinne des diesjährigen, inoffiziellen Mottos: „2026 is the new 2016“. Gefilmt werden soll das Ganze stilecht mit einem iPhone 4S. Für JUSTB eine konsequente Ästhetik.
Ein weiteres Highlight war Bains Solo-Stage. Ein energiegeladener Mix aus mehreren Songs von Lady Gaga, performt mit spürbarer Leidenschaft.
Wer dachte, nach den Solo-Stages sei alles vorhersehbar, wurde eines Besseren belehrt. Statt einer erneuten Unit-Performance blieb die Bühne plötzlich leer. Keine Member, kein Lichtfokus. Stattdessen erklangen Lieder, die hier wohl jede Person im Raum kannte: „Auf uns“ von Andreas Bourani und „Astronaut“ von Sido feat. Andreas Bourani.

Der Hintergrund hier: JUSTB hatten ihre Fans zuvor auf Weverse gefragt, welche „Oldies“ typische Songs für das jeweilige Land seien, Lieder, die wirklich jede Person mitsingen kann. Die Antwort für Deutschland fiel offensichtlich eindeutig auf diese beiden Songs. Das Columbia Theater verwandelte sich kurzerhand in eine inoffizielle Karaoke-Session. Spätestens hier war klar: Diese Tour ist keine Einbahnstraße. Sie ist Dialog.
Nach diesem unerwarteten Zwischenmoment folgten weitere Performances aus ihrer Diskografie, bevor der Abend schneller endete, als es vielen lieb war. Zwei Stunden vergehen eben anders, wenn sie von Adrenalin getragen werden.
Im Anschluss warteten für VIP- und Extra-Tickethalter noch Selfies, Snapshots und Gruppenfotos mit den Membern. Das Columbia Theater erwies sich für den Ansturm als etwas eng, die Organisation geriet kurzzeitig an ihre Grenzen, der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch.
Für die ONLYB’s in Deutschland war dieser Abend mehr als nur ein Tour-Stopp. Es war das erste Kapitel einer neuen Ära auf europäischem Boden. Eine Gruppe, die sich traut, anders zu sein. Ein Member, der offen seinen Weg geht. Und ein Publikum, das all das mitträgt.

Und wenn dieser Sonntag eines gezeigt hat, dann das: 2026 fühlt sich tatsächlich ein bisschen an wie 2016, nur selbstbewusster, lauter und mit deutlich besserer Technik.
