22. Februar 2026 | SO36, Berlin

Am Sonntagabend wurde das SO36 zum Boxring. Zumindest dem Konzept nach. LEE MINHYUK, besser bekannt als HUTA, brachte seine erste Deutschland-Show im Rahmen der HOOK – WHO : KING Europe Tour in die Hauptstadt. Und auch wenn die Tour konzeptionell an einen Ring erinnern sollte: Geboxt wurde an diesem Abend höchstens mit Blicken, Beats und einer ordentlichen Portion Charisma. Alle gingen heil nach Hause, mit einer deutlich positiveren Stimmung.
Dass es sein erstes Konzert in Deutschland war, merkte man vor allem an der spürbaren Aufregung im Raum. Schon vor dem Einlass zeigte sich, dass dieser Abend gut organisiert war: Statt klassischer Ticketkontrolle an der Tür wurden die Tickets bereits in der Warteschlange gescannt, Armbänder verteilt, die später nur noch vorgezeigt werden mussten. Bei regnerischem Wetter, immerhin endlich ohne eisige Wintertemperaturen, ein kleines, aber sehr willkommenes Detail. Der Einlass selbst verlief dadurch spürbar schneller, und pünktlich um 19 Uhr begann die Show.
HUTA, Rapper, Sänger, Performer. Mitglied von BTOB und als Solokünstler jemand, der sich längst eine ganz eigene Identität aufgebaut hat, stand auf der Bühne. Für die nächsten 90 Minuten verwandelte er das SO36 in seinen persönlichen Boxring.
Die Setlist war bewusst vielseitig gewählt und deckte sämtliche Facetten seiner Diskographie ab. Kraftvolle Tracks mit druckvollen Rap-Parts wechselten sich mit emotionaleren Momenten ab, die seine stimmliche Bandbreite unter Beweis stellten. Natürlich durften auch Outfitwechsel nicht fehlen, jeder Look unterstrich eine andere Seite seiner Bühnenpersona.

Ein besonderer Moment entstand, als er Songs von BTOB anstimmte. „Für mich ist das sehr schwierig, deswegen helft mir gerne beim Singen“, sagte er: und bekam eine Antwort, mit der er offensichtlich nicht gerechnet hatte. Das Berliner Publikum sang laut, textsicher und mit erstaunlicher Präzision mit. Sein Gesichtsausdruck schwankte zwischen Überraschung und ehrlicher Bewunderung. Man konnte förmlich sehen, wie beeindruckt er war.
Überhaupt war die Kommunikation ein zentrales Element des Abends. HUTA sprach auffallend viel Deutsch, und das erstaunlich verständlich. Zwischen den Songs bedankte er sich, machte kleine Scherze und suchte immer wieder den direkten Kontakt. Diese Mühe blieb nicht unbemerkt und wurde mit lautem Jubel quittiert.

Was den Abend jedoch besonders charmant machte, war seine selbstironische Art. HUTA inszeniert sich gerne als „sexy“, als souveräner Performer mit kontrollierter Coolness. Doch immer wieder unterlief ihm genau diese Inszenierung auf die denkbar sympathischste Weise. Beim Versuch, während einer Stage lässig seine Jacke auszuziehen, blieb er kurzerhand darin hängen. Ein späterer Versuch, sich mit einem Schluck Wasser besonders „hot“ in Szene zu setzen, endete mit einem ehrlichen: „Das war nicht so ganz, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Doch genau diese Momente machten ihn umso nahbarer. Das Publikum liebte es.
Auch die BORA Challenge durfte nicht fehlen. Gemeinsam mit der Crowd wurde die Sequenz gefilmt, gleich doppelt. „Sorry, we have to do it again“, erklärte er schnell und versicherte lachend, es liege nicht an den Fans. „The crowd looked perfect.“ Vielmehr sei er selbst unzufrieden: „I don’t like my face, actually I don’t like my anything in this video.“ Eine Aussage, die im Raum auf spürbares Unverständnis traf. Danach erklang der Song selbst, Bora, offiziell der Letzte des Abends.
Doch wie so oft gilt: Der letzte Song ist nie wirklich der letzte Song.
Für die Encore kehrte HUTA zurück auf die Bühne und legte noch drei weitere Tracks nach. In leicht abgewandeltem Tour-Hoodie, die Cap lässig an die Hose gebunden, präsentierte er ganz nebenbei auch den Merch. Eine subtile, aber effektive Demonstration, man konnte fast beobachten, wie in manchen Köpfen die Kaufentscheidung reifte.
Relativ früh endete der Abend dennoch. Fast zu früh. „Ich hoffe, ihr esst hier nach gut“, sagte er zum Abschied, eine Bemerkung, die im SO36, mitten in Kreuzberg, durchaus berechtigt ist. Die Gegend bietet genug Möglichkeiten, den Abend weiterzuführen. Und doch lag über allem dieses Gefühl, dass man gerade etwas Besonderes erlebt hatte. „I will be back“, versprach er.

Wenn es nach HUTAs eigenen Social-Media-Wünschen ginge, würde dieses Review vermutlich so aussehen:
HUTA war der Beste. HUTA war mega cute. HUTA war wirklich heiß. HUTA hat total toll performt.
Unrecht hätte er damit wohl nicht!
Für Berlin war HOOK – WHO : KING in Berlin mehr als nur eine Tour-Station. Es war ein erstes Aufeinandertreffen: zwischen einem Künstler, der seine Soloidentität mit spürbarer Leidenschaft lebt, und einem Publikum, das ihn mit offenen Armen empfing. Zwischen Selbstironie und Selbstbewusstsein, zwischen Boxring-Konzept und ehrlicher Dankbarkeit entstand ein Abend, der zeigte, wie viel Persönlichkeit in HUTA steckt. Sollte er sein Versprechen halten, dürfte das nächste Wiedersehen kaum lange auf sich warten lassen.

Und Berlin? Ist mehr als bereit für Runde zwei.
