07. April 2026 | Säälchen, Berlin

Am Dienstagabend verwandelte sich das Säälchen in einen Ort, an dem ein Konzept, das lange vor dem eigentlichen Debüt begann, spürbar aufging. 1VERSE, vielen bereits als Pre-Debut-Phänomen oder dem Namen SB Boyz bekannt, brachten ihre erste Europa-Tour in die Hauptstadt und bewiesen eindrucksvoll, dass sich konsequentes Fan-Engagement und ein moderner, nahbarer Ansatz auszahlen.
Schon lange bevor die Gruppe offiziell auf der Bühne stand, hatte sie sich über Social Media eine treue und engagierte Community aufgebaut. Hinter dem Projekt steht Singing Beetle, gegründet von Songwriterin und Produzentin Michelle Cho in Zusammenarbeit mit Joe Lim. Ihr Ansatz hebt sich bewusst von klassischen Entertainment-Strukturen der K-Pop-Szene ab. Ein enger Austausch mit den Mitgliedern, offene Gespräche über mentale Gesundheit und ein klares Motto: „more inclusive and wholesome K-Pop“.
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich bereits vor Konzertbeginn. Das Säälchen war restlos ausverkauft und stellte zugleich die bislang größte Crowd der Tour.

Auf der Bühne standen an diesem Abend vier der fünf Mitglieder: Seok, Nathan, Kenny und Aito. Die internationale Zusammensetzung der Gruppe, mit nordkoreanischen Wurzeln, chinesisch-amerikanischen, laotisch-thailändischen und japanischen Hintergründen, bringt nicht nur Vielfalt, sondern auch individuelle Geschichten und Perspektiven mit, die in der K-Pop-Szene so selten zu sehen sind.
Auch musikalisch stand die Gruppe vor einer besonderen Herausforderung: Mit nur drei eigenen Songs in der Diskografie füllten sie dennoch mühelos rund 90 Minuten. Möglich wurde das durch eine abwechslungsreiche Mischung aus Group-, Unit- und Solo-Stages, sowie zahlreichen Covers, die Fans bereits aus der Pre-Debut-Zeit kannten. Songs von Stray Kids, WOODZ, Taemin und ATEEZ trafen dabei auf westliche Einflüsse wie Troye Sivan und Dominik Fike. Gerade weil viele dieser Performances bereits online kursierten, fühlten sie sich nicht wie Lückenfüller an, sondern wie lang erwartete Live-Momente.
Am lautesten wurde es allerdings bei ihren eigenen Songs „Shattered“, „WABIF“ und „Multiverse“, hier zeigte sich also besonders deutlich, welches Potenzial in der Gruppe steckt.
Zwischen den Performances füllten die Mitglieder die Übergänge mit MENTs, kleinen Spielen und viel Humor. Ihre Versuche, zumindest ein wenig Deutsch zu sprechen, wirkten zwar vorbereitet, aber genau das machte ihren Charme aus. Es fühlte sich ehrlich an, und keines Weges gestellt.

Ein Running Gag zog sich durch den gesamten Abend: Kenny versuchte immer wieder, von Seok ein Küsschen zu bekommen. Das allerdings (leider) ohne Erfolg. Seok blieb standhaft. Stattdessen ließ er sich nach einem verlorenen Schere-Stein-Papier-Duell dazu überreden, den „Catch Catch“-Dance von YENA zu performen. Ein Moment, der sich schnell zum Fan-Favorite entwickelte und für besonders laute Begeisterung sorgte.
Immer wieder richteten die Mitglieder auch persönliche Dankesworte an Michelle Cho und das Team hinter Singing Beetle und der Tour. Dabei wurde deutlich, wie eng die Verbindung zwischen Künstlern und Produktion ist und wie viel Herzblut hinter diesem Projekt steckt. Diese sonst oft unsichtbare Arbeit war an diesem Abend auch im Publikum spürbar präsent.
Nach dem regulären Set war der Abend jedoch noch nicht vorbei. Als besonderes Extra, das Berlin erhielt, da die Stadt beim ursprünglichen Verkaufsstart zu den ersten drei gehörte, die 100 Tickets verkauften, folgte ein Full-Venue Hi-Touch. Die Mitglieder positionierten sich am Ausgang und verabschiedeten jeden einzelnen Fan persönlich mit einem High Five.
Besonders Kenny fiel dabei mit seiner Energie auf: Mit humorvollen Aufforderungen wie „Yes!“, „Hit it hard!“ oder „Come here!“ sorgte er dafür, dass wirklich jeder den Abend mit einem Lächeln verließ.

Als sich schließlich die Türen schlossen, blieb vor allem ein Gefühl zurück: 1VERSE stehen noch ganz am Anfang. Aber alles deutet darauf hin, dass hier etwas Großes entsteht, und man kann kaum erwarten, ihren Weg weiterzuverfolgen.
